Meine Holländer

50 Jahre Deutsch - Holländische Freundschaft.
1958 Das Jahr der Entscheidung für mich als Teenager - Halbstarker.
Wie in jedem Jugendlichen meines Alters war der Drang nach Freiheit sehr groß.
Wir wollten die Welt entdecken, unsern R'n'R ausleben und so ging es los.
Freunde hatten wir genug, die auch mal weit weg vom Elternhaus etwas erleben wollten.
Rauf aufs Fahrrad, daß nötigste in zwei Taschen eingepackt und schon waren wir,
 in Richtung Holländische Grenze - Venlo unterwegs. Als wir durch den Zoll waren,
konnte unser Tatendrang in Richtung - Den Haag - Loosduinen, keiner mehr halten.


50 Jahre Deutsch - Holländische Freundschaft.

1958 Das Jahr der Entscheidung.

Für mich als Halbstarker, so nannte man unsere Generation, brach eine Welt zusammen, als meine Mutter verstarb. Meine Schwester neun Jahre älter, Volljährig, zog zu ihrem Freund. Lehrstellen waren für meinen Vater alle nicht gut genug. Jeder ging seinen Weg, nur ich durfte meinen eigenen nicht gehen. Unser Vater lernte auch noch einige Frauen kennen. Da war man eben mal lästig. Nach einiger Zeit war es eben so, dass ich in ein Jugendhaus für schwer erziehbare gesteckt wurde. Ich erspare mir hier die Zustände in1950 und die Handhabungen wie man in einem Heim erzogen wurde, zu schildern. Respekt und Ordnung wurden in uns rein geprügelt. Rechte hatten wir ja nicht, nur Pflichten. Wie in jedem Jugendlichen meines Alters, war der Drang in den 50er nach Freiheit, Selbständigkeit und die Welt entdecken, sehr groß. Wir wollten unseren Rock n Roll, Jugend ausleben. Wir waren der Meinung, unsere Eltern verstehen uns ja doch nicht. Freunde hatten wir genug, die auch mal etwas erleben wollten. Und so kam es dann auch, dass ich im Jugendheim Freunde fand, die das gleiche erleben wollten wie ich. Nach vier Wochen Aufenthalt im Heim, wurde man ins Elternhaus zurück geschickt, denn man hatte uns ja angeblich Geformt und war folgsam. Aber im Elternhaus da war nichts mehr, was man eine Familie nennen konnte. Ich kann hier nur eine Kurzform von dem Schildern, was alles auf uns zu kam, was wir erleben durften, was mich in der Zeit der Walz prägte, Freundschaften schlossen, die bis HEUTE Bestand haben. Mit Helmut der auch im Jugendheim war, hatte einem Holländischen Jungen Mann „Nachtlager“ gewährt, als dieser seinen Zug verpasst hatte. Man verblieb so, dass eine Einladung seinerseits für Helmut vereinbart wurde. Diese Einladung war Anlass von Helmut mich mit auf die Große Reise mit zu nehmen. Wir also rauf aufs Fahrrad, das nötigste in zwei Taschen eingepackt und schon waren wir, in Richtung Holländische Grenze Venlo unterwegs. Ziel war, Den Haag Loosduinen. In den drei Tagen, die wir mit dem Rad unterwegs waren, war uns die Holländische Bevölkerung sehr entgegenkommend. Essen – Trinken – Übernachtung, war nie ein Problem. Überall wurden wir freundlich behandelt und aufgenommen. Mit Holländer, im gleichen alter hatten wir sehr viel Spaß. Obwohl bei den älteren Holländer, eine gewisse Distanz uns Deutschen in den 50. zu spüren war. Wir waren ja zu jung, um das was im Krieg geschehen war, zu begreifen. Unbedacht wie wir waren, kamen wir mit unserer Kindlichen - Naiven - Art bestens an. Nach etlichen Kilometer und tollen Erlebnissen, Leute und Land kennen, lernen, zu dürfen, kamen wir mit dem Rad an unserm Ziel, Den Haag – Loosduinen an. Nun standen wir vor der Tür des jungen Holländer, der bei Helmut einst nächtigte. Was für ein HALLO. Im nach hinein, stellten die Familie fest, dass für zwei Mann kein Platz zusätzlich im Haus war. Was nun ! In der Nachbarschaft wohnte eine Deutsche Frau, die mit einem Holländer Verheiratet gewesen war. Die Mutti hatte auch Kinder, die in unserem Alter waren und älter, auch schon zwei die verheiratet waren. Nach dem der Familienrat ( MUTTI – Nachbarn ) getagt hatten, fand man eine Lösung für mich. Ich durfte bei Annie und Henk übernachten, die selbst einen kleinen Sohn Eric hatten. Wenn man Heute überlegt und bedenkt, alle hatten selbst wenig Platz, alle mussten Beköstigt werden, auf was die Familie für uns verzichten mussten. Vier Wochen nur schwimmen, am Strand, jede Menge Leute kennen gelernt usw. Leider waren wir ja von zu Hause abgehauen, ohne Abmeldung und wohin. Das ist auch den Holländischen - Familien aufgefallen. Nachdem ich nun eine Postkarte an meinen Vater nach Hause geschrieben hatte, wusste man in Deutschland nun auch wo ich war. (Stempel der Briefmarke). Ich wurde dann einige Tage später, mit Begleitung von Loosduinen mit Interpol – Beamte, nach Deutschland zurückgeführt. Natürlich kam ich wieder in ein  Heim. Mein Freund Helmut und dessen Bruder ein Woche später. Heim – Feldarbeit - Bundeswehr und alles andere, konnte mich all die Jahre nicht daran hindern, den Kontakt nach Holland aufrecht zu erhalten. Auch als ich eine eigene Familie hatte, besuchten wir uns gegenseitig. Irgendwie verlor man sich dann aus den Augen und nach einigen Umzügen, war nun auch noch die Adresse aus Holland weg. Jahrzehnte gingen ins Land, bis ich plötzlich die Idee hatte, über das Internet nach meinen Gasteltern in Holland zu forschen, ob ich die Familien wieder finden würde. Die Ämter, Gemeinden in Den Haag, konnten mir nicht helfen, da sich vieles im Ort Loosduinen getan hatte. Ich habe aber immer eine nette Antwort aus Holland, bei meiner Suche erhalten. Die Straßennamen in Loosduinen hatten sich geändert, ein Einkaufs – Centrum war entstanden und man war auch im Ort mit der Familie umgezogen. Im Internet fand ich ein Museum in Loosduinen. Mein letzter Ausweg war, das Museum vor Ort zu bitten, ob die Namen der Familien noch bekannt währen. Obwohl die Namen von mir nicht richtig geschrieben waren. Und siehe da, hatte man mir zwei Adressen und Telefon Nummern in kurzer Zeit per Internet Mitgeteilt. War das ein HALLO, als ich die richtige Nummer gewählt hatte und die Verbindung zustande kam. Sohn und Eltern wohnten dicht beisammen. Per Brief, Telefon, per Internet, hatte man sich dann viel zu erzählen.
Nun Steht noch das große Wiedersehen und ein Besuch in Loosduinen an.